Oliver Hill
5. Dan Ju-Jutsu / 3. Dan Hu-Long-Do / 1. Dan Kickboxen / 1. Dan Doce Pares Eskrima / 1. Dan GTS Shootfighting
Meine Reise durch die Welt der Kampfkunst begann im Alter von 9
Jahren mit Judo.
Aber nach ein paar Jahren bemerkte ich, das mir Judo alleine zu langweilig war – alles was Spaß machte war dort nicht erlaubt - vor allem Boxen und Treten war verboten… ;o)
Deshalb begann ich 1990 mit Ju-Jutsu und mit, in diesem Verein
damals so genannten, Sport-Karate (was eigentlich nichts anders war als
Kickboxen – aber das wusste ich damals als Anfänger noch nicht).
Was ich ebenfalls erst viel später erkennen sollte war, dass ich in
einem jener Kampfsportvereine gelandet war, die durch aggressives und
schlecht angeleitetes Training den heutzutage leider sehr weit
verbreiteten negativen Ruf der Kampfkunst erschaffen. Aber es war der
einzige Verein der für mich damals erreichbar war und auch durch
schlechte Erfahrungen lernt man…
Es folgten 6 1/2 Jahre Training, die eigentlich fast ausschließlich aus Kämpfen bestanden. Ich muss ja zugeben, damals war ich auch immer heiß auf´s fighten und es konnte mir nicht wild genug sein – wofür ich aber die Rechnung in Form von, zum Teil schweren Verletzungen, bekam. So kam der Punkt wo ich unzufrieden wurde.
Das Training machte mir wegen der ständigen Verletzungen durch das „Sport-Karate“ und der Unzufriedenheit durch ein „auf der Stelle treten“ im Bereich der Techniken keinen Spaß mehr. Ich kam nicht voran und hatte keine Herausforderungen mehr.
Ich hatte gleichzeitig noch mit dem Tai Chi Training begonnen, das ich als Ausgleich - damals noch - nur so nebenbei übte.
Durch meinen 18. Geburtstag und dem Bestehen meiner Führerscheinprüfung öffneten sich mir dann neue Möglichkeiten. Durch die immer größer werdende Unzufriedenheit spielte ich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken mit dem Ju-Jutsu und dem Kampfsport allgemein aufzuhören.
Doch dann kam der Tag, im Oktober 1996, der mein ganzes Leben verändern sollte.
Ich hatte von einem Training in Fulda gehört und traf dort in der - mittlerweile schon fast legendären - KICK Schule für Bewegungskunst auf Rainer Domann.
Die Atmosphäre dort und das technische Niveau zogen mich sofort im
ersten Training in ihren Bann. Lachende und klatschnass geschwitzte
Männer und Frauen jeden Alters, die wahnwitzige Wiederholungszahlen von
Übungen machten, bei denen ich schon nach den ersten 10 zusammenbrach.
Schwarzgurte, von denen ich dachte das sie immer nur Trainer sind,
kamen dort hin um selbst trainiert zu werden. Ein angeleitetes
Techniktraining bei dem jeder individuell korrigiert wurde und ein
aufgebautes Kampftraining, das mit einem vielfachen an Dynamik und
Power ausgeführt wurde, die ich bis dahin kannte – und es trotzdem
(auch in all den folgenden Jahren die ich dort trainieren sollte) nie
zu ernsthaften Verletzungen kam weil jeder sich kontrollieren konnte
und auf den anderen Rücksicht nahm. Das waren Dinge, die ich bis dahin
so noch nie kennen gelernt hatte.
Und all das lebte durch und mit Rainer. Ich habe bis heute keinen
Trainer kennen gelernt, der es besser versteht zu motivieren und das
Letzte aus einem herauszuholen (für alle aus der alten Garde, erinnert
euch nur mal an das 6x Treppen sprinten am Aschenberg mit
Strecksprüngen zwischendurch, dann 3x100 tiefe Wurfeingänge und
Kicktraining im Anschluss!!! Gefolgt von einem 1wöchigen Muskelkater
den ich niemals vergessen werde.) WAR DAS GEIL!!! 
Rainer brachte mir von Grund auf alles neu bei, was ich bisher zu können geglaubt hatte und dank seines Trainings bestand ich im Dezember 1997 als bester Prüfling die Prüfung im Hessischen Ju-Jutsu Verband (HJJV) zum 1.Dan im Ju-Jutsu.
Meine Begeisterung für die Kampfkunst war wieder neu entfacht. Hatte ich mir doch Rainers Grundsatz zu Eigen gemacht: „Der schwarze Gürtel bedeutet nur, dass man nun ein echter Schüler ist und erst jetzt wirklich beginnt zu lernen. Alle bunten Gürtel sind nur Auslese!“
Ich begann immer mehr zu erkennen, was die Kampfkunst alles beinhaltet. Hatte ich bisher nur die sprichwörtliche Spitzte des Eisberges gesehen, so konnte ich jetzt den eigentlichen Wert des Trainings für Körper und Geist verstehen.
Ich begann parallel zum Ju-Jutsu nun bei Rainer Tai Chi zu lernen. Gleichzeitig begann ich mit Taekwondo und Capoeira. Um ins Training zu gelangen waren Strecken von 200km für 90min Training keine Seltenheit.
Ich trainierte an 5 Tagen die Woche und an Wochenenden war ich auf Lehrgängen und Kampfkunstseminaren unterwegs. Zuerst nur deutschlandweit, dann über Belgien und die Schweiz bis heute nach Amerika.
In dieser Zeit lernte ich viele namenhafte Trainer kennen und trainierte mit ihnen viele verschiedene Stile. Allen voran Richard Bustillo, Gokor Chivichyan, Achim Hanke, Artur Allerborn, Alfred Gehelen, u.v.m.
Mit dem Erhalt meiner Trainerlizenz im Ju-Jutsu übernahm ich 1998 das Training im Budo Club ASAHI und gab als Vertretung für Rainer von Zeit zu Zeit im KICK Training – was für mich immer eine große Ehre war.
Im Dezember 1999 bestand ich, wiederum als Bester, die Prüfung zum 2.Dan im Ju-Jutsu. Einer der Prüfer und damals Technischer Direktor des HJJV, Bernd Hillebrand, war so begeistert von meiner Kampfkunst, dass er mich als Trainer auf das Ju-Jutsu Bundesseminar einlud. Das sorgte bei mir für zitternde Knie, schließlich war das Bundesseminar mit über 350 Teilnehmern der größte in Deutschland stattfindende Lehrgang.
Immer öfters wurde ich seit dieser Zeit als Referent zu Lehrgängen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene eingeladen. Anfangs nur in Hessen, dann in ganz Deutschland und worauf ich sehr stolz bin, viermal in Folge auf das Ju-Jutsu Bundesseminar.
Ein schwerer Schlag für mich war, als uns im Jahr 2000 Rainer mitteilte, dass er aus familiären Gründen das Training in Fulda nicht mehr weiter leiten könnte, da er wegziehen würde. Eine Welt brach für mich zusammen.
Das Training in der KICK Schule lief noch weiter bis Mitte 2001, danach wurde das Dojo in Fulda – meine zweite Heimat - geschlossen.
Auf Grund von immer häufigeren Nachfragen von Bekannten und Freunden, die auf der Suche nach einem geeigneten, in der Nähe liegenden, Trainingsort waren, gründete ich mit einigen Kampfkunstfreunden im Jahr 2001 unseren eigenen Verein Tiger and Dragon (siehe Entstehungsgeschichte).
Seit dem trainiere ich alles was sich finden läßt von Ju-Jutsu, Hu-Long-Do, Neurobic, Shooto, Jeet Kune Do, Capoeira, Muay Thai und Grappling über Shootfighting, Inayan Eskrima, Brazilien Jiu-Jitsu und Doce Pares bis hin zu Shaolin Kung Fu, Tai Chi und Qi Gong.
Als Trainer in unserem Verein Tiger and Dragon ist es mir heute besonders wichtig, allen Interessierten zu zeigen, das Kampfkunst nichts mit Prügeln zu tun hat. Das es vielmehr ein Weg für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ist, etwas für sich zu tun. Gleich welchen Alters oder Geschlechts und egal was für körperliche Voraussetzungen man mitbringt. Je nachdem welche Ziele man hat, ob das Erlernen von Selbstverteidigungstechniken, sportliche Fitness, Erfolgserlebnisse und Steigerung des Selbstvertrauens, Entspannung von Körper, Geist und Seele, einen Ausgleich zum Alltag, oder einfach mal eine andere Art von Sport in einer Gruppe von netten Leuten.
Wir sind keiner dieser berühmt-berüchtigten „Fight-Clubs“ und Schläger haben bei uns nichts zu suchen – wir sind eine große Familie in der alle, die mit uns trainieren wollen, herzlich aufgenommen werden. Ich möchte das, was die Kampfkunst mir für mein Leben gegeben hat, mit anderen teilen.
Die Kampfkunst ist ein Lebensweg.
Trainiere und lerne Dich selbst kennen. Lehre und lerne andere kennen.
Und vergiss dabei niemals: „Das Lächeln das Du aussendest, kehrt zu Dir
zurück!“ 
Ich danke allen meinen Lehrern die mir geholfen haben zu dem zu werden der ich heute bin:
Thank you to all my teachers who helped me to become who I´m today:
Rainer Domann
Bernd Hillebrand
Achim Hanke
Richard Bustillo
Gokor Chivichyan
Alfred Gehlen
Artur Allerborn
Kai Uwe Jettkandt
Cacoy Canete
Jeff Espinous
u.v.m.

